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Der „Dritte Weltfrieden“

Publiziert von Christoph Pfluger

Frieden ist nicht durch Widerstand gegen Krieg zu erreichen. Es braucht Schuldenerlass, Vermögensreform und ein gerechtes Geldsystem.

Am WEFF in Davos vom vergangenen Wochenende – einer kleinen Alternative zum «World Economic Forum» (WEF) stellte ich die Idee des Dritten Weltfriedens erstmals auf einen öffentlichen Prüfstand. Es ging mir darum, zu erfahren, wie eine (wohlwollende) Öffentlichkeit auf das Vorhaben reagiert, das ja noch ganz am Anfang steht.

Das Wichtigste vorweg:
Der «Dritte Weltfrieden» ist zunächst einmal ein etwas subversiver Begriff mit leichtem Zugang in das menschliche Denken und Fühlen. Als unverwechselbarer politischer Begriff ist er geeignet, einen komplexen Sachverhalt auf einen einfachen Nenner zu bringen und Geschichten zu entwickeln, die unsere Wahrnehmung und damit auch unser Handeln prägen.
Nachdem es weder einen ersten noch einen zweiten Weltfrieden als solchen nicht gegeben hat, klingt in ihm der Zustand nach einem Dritten Weltkrieg an.

Während der Begriff «Weltfrieden» mit Abrüstung, Völkerverständigung und Menschenrechten in Verbindung steht, beinhaltet der «Dritte Weltfrieden» die Massnahmen und Zustände, die dauerhaften Frieden erst ermöglichen: Schuldenerlass, Vermögensreform und ein gerechtes Geldsystem.

Der eingängige Begriff des Dritten Weltfriedens ist der Transmissionsriemen, um über die Sehnsucht nach Frieden auch die Voraussetzungen dafür ins Bewusstsein und damit auch ins politische Handeln zu bringen.


Und hier der Text des Vortrags, den ich in Davos allerdings in freier Rede hielt:

Bevor ich näher auf den Begriff des Dritten Weltfriedens eingehe, möchte ich mit einem Traum beginnen, den wir vermutlich alle teilen. Wir wünschen uns eine Welt, in der wir in Freiheit und in Harmonie mit den Mitmenschen und der Natur leben können und in der es für alle genug hat.

Auf dem Weg zur Verwirklichung dieses Traums gibt es drei große Hindernisse:

  • Die riesigen, unbezahlbaren Schulden, die auf den Staaten, den Firmen und den Menschen dieser Welt lasten. Unbezahlbare Schulden müssen erlassen werden, sonst führen sie in die Sklaverei – das wissen wir aus unzähligen Beispielen aus der Geschichte.
  • Die gigantischen Vermögen, die mit diesen Schulden gekoppelt sind und die ständig wachsen müssen, sind das zweite grosse Hindernis. Diese Vermögen werden geschützt mit einem Machtapparat aus Politikern, Medien, internationalen Organisationen, Polizei, Geheimdiensten und Militär – mit allem, was man mit Geld kaufen kann.
  • Das dritte Hindernis ist das Geldsystem mit seinem unsichtbaren Umverteilungseffekt, das diese enorme Ungleichheit massgeblich hervorgerufen hat und weiter beschleunigt. Ungleichheit ist historisch aus Gewaltanwendung entstanden, der sich die Menschen unterordnen mussten. Später mussten die Herrscher keine Gewalt anwenden, sondern ihre Untertanen nur zur Huldigung zwingen. Typisch dafür ist der Gesslerhut. Mit dem modernen Geldsystem wird die Umverteilung nicht mit Gewalt erzwungen, sondern durch den Zins.

Das sind die drei großen Hindernisse, die wir überwinden müssen, damit unser Traum wahr wird. Es gibt noch ein paar weitere Hindernisse der Materialismus, die Vergiftung der Umwelt und die Perversion des Heilwesens, um nur einige zu nennen. Aber ohne Schuldenerlass, ohne gerechte Verteilung der Vermögen und ohne ein zinsfreies Geldsystem ist eine menschenwürdige Zukunft nicht zu haben, sondern nur eine diktatorische.

Diese Hindernisse sind seit längerem bekannt und wurden auch sehr kompetent beschrieben (u.a. von Eugen Drewermann in seiner Trilogie «Kapital und Christentum»).
Das Privileg der privaten Geldschöpfung wird mit aller Härte verteidigt. Wer Alternativen auf den Weg bringt, lebt gefährlich, wie das Beispiel der US-Präsidenten Lincoln und Kennedy zeigt. Die Geschichte alternativer Geldsysteme ist lang und entmutigend.
Aber heute sind die Chancen, dass wir diese Hindernisse tatsächlich überwinden, so groß, wie vermutlich noch nie in der menschlichen Geschichte. Sie sind morgen sogar noch besser – aber nur wenn wir heute beginnen.

Wir alle spüren, dass wir in einem epochalen Wandel stehen. Wie lang die Epoche ist, die jetzt zu Ende geht und einer neuen Platz macht, ist Ermessensfrage. Die Einen denken, dass die monopolare Welt seit dem Fall des Eisernen Vorhangs zu Ende geht. Das ist unübersehbar. Für andere geht ein Zyklus zu Ende, der mit dem Ersten Weltkrieg begonnen hat. Ich persönlich denke, dass die Epoche der privaten Geldschöpfung, also rund 300 Jahre, an ihrem Ende steht. Ich neige aber auch zur Ansicht, dass die Epoche des Grundbesitzes, des Patriarchats und der entwickelten Herrschaftssysteme mit Religionen, Steuern und Armeen zu Ende geht. Sie hat mit der neolithischen Revolution, also mit der Sesshaftigkeit, begonnen. Wie gesagt: eine epochale Wende. Und wir haben das riesige Privileg in dieser Wendezeit zu leben und den Wandel gestalten zu können.

Wir stehen jetzt an einem Punkt, an dem sich die großen Vermögen – die größten der Geschichte – nur noch mit scharfem Zwang halten können, mit Unterdrückung, Kontrolle, Enteignung, und mit Krieg.

«Nach dem Krieg sind alle gleich» lautet der Titel einer «Geschichte der Ungleichheit» des Stanford-Historikers Walter Scheidel. In diesem höchst lesenswerten Buch zeigt Scheidel, dass die Ungleichheit in allen Phasen der Geschichte immer bis zu einem Punkt zugenommen hat, an dem entweder Krieg, Revolution, Staatsversagen oder Seuchen wieder für ausgeglichenere Verhältnisse sorgten.

Während sich diese Ungleichheit in den verschiedenen Zivilisationen, Dynastien oder Staaten in unterschiedlichen Perioden und Weltgegenden entwickelte, ist jetzt die ganze Welt gleichzeitig betroffen.

Und damit sind wir beim Dritten Weltkrieg angekommen. Der serbische Präsident Alexander Vucic war anfangs Juli der erste Regierungschef, der öffentlich vom Dritten Weltkrieg sprach. Andere gut informierte Beobachter sind schon länger der Ansicht, dass ein Dritter Weltkrieg im Gange ist, einer, der mit hybriden Waffen geführt wird: mit erzwungener Verschuldung und Globalisierung, Desinformation, Sonderrecht, Sanktionen, Stellvertreterkriegen und mit finanziellen und anderen Waffen mehr. Der Zweck eines Krieges ist gemäß Clausewitz, dem Gegner den eigenen Willen aufzuzwingen. Zu einem heißen Krieg mit Panzern und Raketen kommt es nur, wenn die hybriden Waffen nicht zum Ziel führen.

Um den Krieg zu verstehen, der jetzt geführt wird, müssen wir das Geldsystem verstehen. Ich beschränke mich auf den wichtigsten Punkt: die Geldschöpfung. Denn das ist die Quelle des Problems.

Was viele nicht wissen: Nicht der Staat, nicht die Zentralbanken stellen unser Geld her, sondern die privaten Banken – rund 90 Prozent unseres Geldes. Wie machen sie das? Die kürzeste und klarste Antwort liefert die Schweiz. Nationalbank auf Seite 19 ihrer Broschüre «Die Nationalbank und das liebe Geld»: «Die Banken schöpfen Geld, indem sie Kredite verleihen.» Sie verleihen also nicht das Geld der Sparer, wie sie ständig behaupten, sondern schreiben Geld, das es vorher nicht gegeben hat, ins Konto des Kreditnehmers. Mit dieser Zahl kann er dann bezahlen, wie wenn es richtiges Geld wäre, für das andere hart arbeiten müssen.

Die Form der Geldschöpfung hat einen fundamentalen Haken: Es entsteht dabei nur ein neues Guthaben von beispielsweise einer Million, nicht aber die erhöhte Forderung, die dank des Zinses steigt, zum Beispiel auf anderthalb Millionen. Es hat also immer zu wenig Geld im System, um alle Schulden zu bezahlen. Und die Lücke nimmt ständig zu. Es ist wichtig, dass man diesen Mechanismus versteht. Er ist die Ursache des universellen Mangels, der unser Verhalten als Individuen wie auch in der Politik bestimmt.

Das unlösbare Problem dieser Form der Geldschöpfung wird vom Bankensystem mit einer Maßnahme «gelöst», die das Problem verschärft, bis es uns buchstäblich um die Ohren fliegt. Die Banken lösen das Problem des Mangels, indem sie ständig neue Kredite verleihen, was die Lücke zwischen den Schulden und der Geldmenge weiter vergrößert. Wenn die Schulden nicht bezahlt werden können, wird das sich auf ihnen gebaute Geldsystem zusammenbrechen. Aktuell liegt das bei weltweit 300 Billionen Dollar expliziten Schulden – es gibt noch mindestens so viele implizite Schulden – und rund 40 Billionen Geld, mit dem man tatsächlich Rechnungen bezahlen kann, Bargeld und Bankguthaben (M1).

Diese «Lösung» führt zu zwei weiteren unlösbaren Problemen, die sich täglich verschärfen und zu einem gewaltsamen Ende führen:

  • Wachstumszwang, in der physischen Welt unmöglich, und
  • Umverteilung. Rund 30 Prozent des BIP verschieben sich jährlich in Form von Zinsen, Monopolrenten und Gewinnen von den Arbeitenden zu den Vermögenden.

Damit sich dieses System der wachsenden Ausbeutung erhalten kann, muss es sich immer mehr Natur, mehr Menschen und Länder unterwerfen und ihre Arbeitskraft und ihre Ressourcen zu möglichst geringen Kosten zunutze machen.

Das ist der Kern des Dritten Weltkriegs. Auf der einen Seite stehen die Wallstreet und die City of London, ihre Regierungen und die Vasallen in Europa und im sog. kollektiven Westen. Auf der andern Seite stehen Russland und China als die verbleibenden maßgeblichen Mächte, die sich diesem Diktat nicht unterwerfen wollen.

Wie sich dieser Krieg weiter entwickelt, wissen wir nicht. Aber es geht um alles oder nichts. Wenn die Wallstreet und die City of London als Finanzzentren der Erde diesen Krieg verlieren, ist das westliche Geld- und Wirtschaftssystem am Ende und die großen Vermögen der obersten 0,01 Promille lösen sich auf. Wenn Russland den Krieg verliert, ist seine Souveränität am Ende, gemäß offizieller russischer Doktrin ein Anlass für den Einsatz von Atomwaffen.

Wenn die Politiker nicht zur Räson kommen – und sie stehen mit dem Rücken zur Wand und handeln nicht mehr vernünftig – oder wenn nicht eine rettende Initiative an der Basis entsteht, wird der Krieg weitergehen, bis er sich in einer ultimativen ökonomischen und militärischen Zerstörung selbst beendet und die Überlebenden ermattet in den Staub sinken.

Was tun? Frieden erreicht man nicht, indem man gegen den Krieg ist. Selbst wenn es mit Demos, Bearbeitung der Politik oder Dienstverweigerung gelingt, den Krieg zu beenden, bedeutet dies noch lange nicht Frieden. Es wird einfach nicht mehr geschossen. Und oft genug liegt im «Frieden» nach einem Krieg der Samen für einen nächsten Krieg. Ganz besonders deutlich war dies nach dem Ersten Weltkrieg. Aber auch nach dem Zweiten Weltkrieg ging es sofort wieder los, mit dem Kalten Krieg und dem Koreakrieg. Und wenn man an die letzten Kriege denkt, im Irak, in Jugoslawien, in Afghanistan, in Libyen oder in Syrien: Kein Friede weit und breit. Es wird einfach gerade so wenig geschossen, dass die Medien nicht darüber berichten.

Wer Frieden will, muss das Problem, das der Krieg mit Zerstörung zu lösen vorgibt, wirklich lösen.

Und damit sind wir beim Dritten Weltfrieden angekommen. Der Dritte Weltfrieden ist zunächst ein etwas verwirrender, aber sehr eingängiger Begriff. Da es keinen ersten und keinen zweiten Weltfrieden gegeben hat, klingt in ihm der Dritte Weltkrieg an. Viele Menschen ahnen ihn erst und wagen es nicht, ihn wahrzunehmen. Da kann ihnen ein Begriff wie «Der Dritte Weltfrieden» sanft auf die Sprünge helfen. Aber das ist nur der Appetizer.

Die Hauptsache ist folgende:

Der Begriff erlaubt es, den seit Jahrzehnten ersehnten und immer etwas vage gebliebenen «Weltfrieden» mit konkreten Inhalten zu verbinden. «Weltfrieden» hieß bis jetzt vor allem Abrüstung, kein Krieg, keine Unterdrückung, Menschenrechte und dergleichen mehr. Aber die Menschenrechte beinhalten nur das Recht der individuellen Selbstentfaltung, aber nicht das Recht, in einer gerechten Gesellschaft ohne versteckte Umverteilung zu leben. Die anderen Schlagworte der traditionellen Friedensbewegung wie Abrüstung, Waffenhandel oder Dienstverweigerung sind Negationen, die uns zum Widerstand aufrufen. Und obwohl ich manchmal Widerstand für unausweichlich halte, bin ich auch der Überzeugung, dass wir uns damit freiwillig in die universelle Falle von Kraft und Gegenkraft begehen und uns aufreiben oder sogar gegenseitig bekämpfen, wie das Beispiel vieler Revolutionen zeigt.

Wenn wir wirklichen Frieden erreichen wollen, brauchen wir konstruktive Ziele, die nicht einfach einen Krieg beenden, sondern die Welt in einen Zustand bringen, in dem wir in Freiheit und in Harmonie mit den Mitmenschen und der Natur leben können und in der es für alle genug hat.

«Der Dritte Weltfrieden» bedeutet deshalb zuallererst Entschuldung. Unbezahlbare Schulden bedeuten nicht nur unveränderliche Ungleichheit. Mit unbezahlbaren Schulden hat die Menschheit einfach keine Zukunft. Die Entschuldung führt automatisch zu einer Neuverteilung der Vermögen. Denn die Vermögen der Einen bestehen zur Hauptsache aus den Schulden der andern. Und weil unser ungerechtes Geldsystem auf Schulden basiert, kann es nach einem Schuldenerlass befreit von Zinsen und Umverteilung neu aufgebaut werden.

Der Dritte Weltfrieden bedeutet natürlich noch viel mehr als nur Schuldenerlass, Boden- und Vermögensreform und ein faires Geldsystem. Aber ohne diese drei wird es weder Freiheit, noch Gleichheit vor dem Gesetz, noch Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben geben.

Die Idee des Dritten Weltfriedens besteht darin, mit dieser großen Sehnsucht nicht einfach die Abschaffung des Krieges zu verknüpfen, sondern die zentralen Elemente dauerhaften Friedens: Entschuldung, Vermögens- und Geldreform.

Die Idee funktioniert (leider) nur, wenn sich der Begriff in den Köpfen verbreitet, Sehnsucht und Handlungskraft erzeugt und fest mit dem ersten großen Schritt verknüpft wird, dem Schuldenerlass.

Mit der Entschuldung reiten wir gewissermaßen auf der ganz großen Welle dieser Zeit. Der Great Reset von Klaus Schwab bedeutet im Wesentlichen Entschuldung des Finanzsystems zulasten der Menschen, die dann mit Gutscheinen namens «digitales Zentralbankgeld» abgespeist, vielfältig kontrolliert und vermutlich mit Impfungen dezimiert werden. «You’ll own nothing and you’ll be happy» heißt es unverfroren in einem Werbefilm des WEF.

Auch die Gegenseite, vertreten durch Russland, China und die übrigen BRICS-Staaten bereiten eine Entschuldung vor. Ihre kommende Korbwährung für den Welthandel erlaubt es den hochverschuldeten Entwicklungs- und Schwellenländern, sich in Bezug auf ihre Dollar- und Euroschulden für zahlungsunfähig zu erklären und in das neue System umzusteigen. Die Zahlungsunfähigkeit größerer Staaten wird die kreditgebenden Banken und damit das westliche Finanzsystem so gründlich erschüttern, dass es nur mit Zwangsmaßnahmen und Enteignungen (u.a. in der Form von Inflation) aufrecht erhalten werden kann.

Natürlich gibt es auch sanfte und gerechte Formen der Entschuldung, der Neuverteilung der riesigen Vermögen. Es gibt genug für alle. Die konkrete Entschuldung und die Verteilung der auf ungerechtem Weg entstandenen riesigen Vermögen erfordern noch enorme intellektuelle Leistungen und Kommunikationsarbeit. Aber getragen von dem Begriff des Dritten Weltfriedens scheint es durchaus möglich.

Die Zeit für die Vorbereitung ist günstig für alle Menschen, die ein bisschen in die Zukunft blicken können und dort einen verwirklichten Traum sehen wollen. Das Projekt steht erst ganz am Anfang. Immerhin: Eine hoffentlich ansteckende Idee ist da.

Wenn exponentielles Wachstum möglich ist, dann muss auch eine hyperexponentielle Bewusstseinsentwicklung möglich sein.


Was halten Sie von der Idee des Dritten Weltfriedens? Wir würden uns freuen, wenn sich in den Kommentarspalten (Webseite- Social Media etc.) eine fruchtbare Diskussion entwickelt, die das Projekt durch zahlreiche Gedanken, Meinung und Ideen vorantreibt.

Die Verwirklichung eines Weltfriedens erscheint derzeit unmöglich ….

Wir fangen trotzdem damit an!

Eine vorläufige Einführung in den Dritten Weltfrieden

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