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„Gegneranalyse“ – Georg Orwell lässt grüßen

Wie bei Orwell: Ein staatlich finanziertes Projekt analysiert alternative Medien unter der Prämisse, dass deren Hauptmerkmal ein grundlegendes Misstrauen bis hin zu „demokratiefeindlicher Fundamentalopposition“ gegen demokratische Institutionen sei. Ein Gastbeitrag von Josef Kraus.

Wenn man zum ersten Mal den Begriff „Gegneranalyse“ liest bzw. hört, denkt man zunächst an den Sport, zum Beispiel an den Fußball. Tatsächlich ist „Gegnerbeobachtung“ dort ein Teil des Erfolgs. Den „Gegner im Blick haben“ und dessen Grundordnung zu analysieren, erlaubt ja schließlich Rückschlüsse auf die eigene taktische Mannschaftsaufstellung. Der Deutsche Fußballbund (DFB) erteilt denn auch Trainern Lektionen, wie Gegneranalyse stattfinden kann. Dort finden sich Sätze wie die folgenden: „Entscheidend ist, dass der Trainer ans Team nur gefilterte Informationen weitergibt. Das heißt, er muss zuvor überlegen, welche Informationen seiner Beobachtung er selbst für die eigene Spielphilosophie für relevant erachtet. Ansonsten ziehen alle Spieler aus den Erläuterungen ihre ganz eigenen Schlüsse. Und das wäre für die geschlossene Team-Taktik wohl eher kontraproduktiv!“

Damit sind wir bei einer anderen Methode, die um sich greift – staatlich recht schön finanziert: Woke „Gegneranalyse als „Demokratie“-Erziehung. Da gibt es doch tatsächlich ein „Projekt“ mit der Website www.gegneranalyse.de. Hier geht es nicht um fairen sportlichen Wettstreit, sondern im Endeffekt um Moralmonopole, ums Anprangern und Bloßstellen.

Die Begründung hierfür lautet so: Weil angeblich immer mehr Menschen „alternative“ Medien „vor allem im Schlepptau der Corona-Demonstrationen“ als Informationsquelle nutzen, hätten Medien jenseits der etablierten Medienlandschaft eine immer größere Reichweite gewonnen. Weiter heißt es auf der Website „Gegneranalyse“: Hauptmerkmal der „alternativen“ Medien sei ein grundlegendes Misstrauen bis hin zu „demokratiefeindlicher Fundamentalopposition“ gegen demokratische Institutionen, Parteien, Repräsentantinnen und Akteure, Wissenschaft und etablierte Qualitätsmedien.

Na, sowas! Das heißt doch, dass man gefälligst nur SPIEGEL, ZEIT, Süddeutsche und Co. lesen und ARD/ZDF/DLF anschauen bzw. anhören darf. Und: Der deutsche Michel hat nur zu glauben, was die hohen Damen und Herren der Politik von sich geben. Von Lauterbach bis Faeser, von Scholz bis Baerbock, von Lambrecht bis Habeck …Alles andere wäre ja schier Majestätsbeleidigung.

Die „Gegneranalytiker“ wollen „einen Bereich unter die Lupe nehmen, in dem radikalisierte Positionen von Impfgegnerschaft, Elitenfeindschaft oder Verschwörungstheorie in einer radikalisierten Sprache in die Mitte der Gesellschaft wirken“. Das sind schon seltsame Verständnisse der „Gegneranalytiker“ von Meinungsfreiheit, die ja im Interesse der Demokratie eigentlich davon lebt, dass nicht alle Bürger gleich ticken und den schafsgeduldigen Einheits-Untertan geben.

In monatlichen Monitorings werden dann „Radikalisierungsmomente“ beschrieben. Ein Magazin etwa wie „Tichys Einblick“ findet sich dort mit dem Etikett „rechtspopulistisch“ wieder. Und „Reitschuster“ mögen die „Gegneranalytiker“ auch nicht, weil dieser aus der Bundespressekonferenz angeblich einseitig berichte.

„Gegneranalyse“ ist jedenfalls Teil des Projekts „LibMod“ (Liberale Moderne), das 2017 von den „Grünen“ Marieluise Beck und Ralf Fücks gegründet wurde. „Liberal“! Und natürlich gibt es Staatsknete: Vom besonders woken Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im Rahmen des Projekts „Demokratie leben!“ (allein 2022 dotiert mit insgesamt 165 Millionen Euro) und zusätzlich von der nicht minder woken Bundeszentrale für politische Bildung. Allerdings endet „Gegneranalyse“ (zunächst?) mit Ablauf des Jahres 2022.

Und dann? Ist das Werk dann getan und haben wir dann endlich wieder eine deutsche demokratische Republik? Jedenfalls brauchen die „Gegneranalytiker“ bald Anschlussverträge. Zum Beispiel Matthias Meisner: Er ist freier Journalist unter anderem bei der taz, Lauterbach-Fan, Autor bei der Bundeszentrale für politische Bildung (BZpB); er berichtet über Rechtsextremismus, Menschenrechte, Migration und Ostdeutschland. Von 1999 bis 2021 war er Redakteur des Berliner Tagesspiegels. Oder zum Beispiel Sonja Vogel: Sie ist Autorin und Redakteurin von „Gegneranalyse“. Als Redakteurin arbeitete sie bei der taz mit dem Schwerpunkt politischer Diskurs und Popkultur.

Wahrscheinlich wird die „Gegneranalyse“-Arbeit über 2022 hinaus fortgesetzt werden. Innenministerin Faeser (SPD) und Familienministerin Paus („Grüne“) werden schon ein paar Kröten aus den für 2021 bis 2024 mit 1,1 Milliarden dotierten „Kampf-gegen-Rechts“-Programmen zusammenkratzen, um auch qua „Gegneranalyse“ diesen „Kampf“ voranzutreiben.

Fühlen sich die „Gegneranalytiker“ in ihrem Job wohl? Wahrscheinlich schon, denn sie dürften beseelt sein vom Kampf gegen alles, was einen Millimeter rechts neben Scholz, Merkel und Co. sowie rechts neben den üblichen Apportiermedien steht.

Ob sich die „Gegneranalytiker“ einmal ernsthaft mit den Umtrieben der DDR-„Staatssicherheit“ befasst oder wenigstens Orwells „1984“ gelesen (oder daraus gelernt?) haben, wissen wir nicht. Wahrscheinlich haben sie sich nicht kritisch mit „Stasis“ und „1984“ auseinandergesetzt, denn solche Auseinandersetzung bedeutete zu viel an kognitiver Dissonanz, die sich die „Gegneranalytiker“ damit antun würden: Selbst als „Demokratie“-Gouvernante zu schnüffeln und andere anzuprangern, zugleich aber qua „Stasi“-Erfahrung und Big-Brother-Lektüre in den Spiegel schauen zu müssen, das wäre zu viel des Guten.

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