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Willkommen im weinerlichen Wellness-Widerstand

Die Spiegel-Kolumne von Sascha Lobo

Lobo hält Menschen, welche sich nicht der Mehrheitsmeinung beugen oder gar eine „Impfdiktatur“ bekämpfen vor, im weinerlichen Wellness-Widerstand zu sein. „Wo man sich jammernd, aber heroisch auflehnt gegen eine eingebildete >grundlose Unterdrückung<.“ Dabei darf natürlich auch das bekannte Russland-Bashing („der Putin´sche Propagandaapparat“!) genauso wenig fehlen, wie der Seitenhieb auf die Spendenaufrufe der Querdenker, über die sich auch schon ein durch unsere Gebühren finanzierter Jan Böhmermann lustig machte. Mit dem Gehalt des Spiegels (und der neuerlichen Spende im Oktober 2021 der Bill & Melinda Gates Foundation in Höhe von 2,9 Millionen US-Dollar ) oder den 8 Milliarden der GEZ im Rücken ist das Fingerzeigen nunmal einfacher und gefährdet die Position der Macht in keinster Weise.

Drollig wird es, wenn Lobo behauptet, dass sich die unterdrückt fühlende Masse der Impfgegner einfach nur auch mal fühlen wollte wie Black Lives Matters, Fridays for Future oder die MeToo-Bewegung. Gerade der Vergleich mit BLM ist geradezu drollig, sorgten deren zum Teil brutale Ausschreitungen wohl für Millionen Tote, welche nur durch das Versagen der UEFA bei der Europameisterschaft in den Schatten stellt: 17.000 Querdenker im Sommer in Berlin vs Millionen auf den Straßen, ohne Maske und ohne Abstand aber mit einem hehren Grund – diese Heuchelei ist einer der vielen Gründe, warum die Menschen den Medien, der Regierung und besonders einem Sascha Lobo kritisch gegenüber stehen. Wenn eine SPD sich ohne Masken im Pulk fotografieren lässt (mit Ausnahme, natürlich, von Panikpapst Karl Lauterbach), der letzte G20 Gipfel maskenfrei sämtliche Regeln konterkariert und bei Wetten dass…? ein Thomas Gottschalk inmitten eines riesigen, maskenfreien Publikums seine Gäste abbusselt, während im Klassenzimmer die Kinder mit Gesichtslumpen sitzen müssen, bei offenem Fenster im Winter (Klatschen und Kniebeuge sollen ja helfen), dann MUSS man die Frage stellen, warum Lobo nicht auf diese Menschen wütend ist. Eine Hybris jagt die andere und es zeigt sich inzwischen jeden Tag, dass manche Menschen eben gleicher sind als andere.

Einen besonderen Groll hegt Lobo anscheinend auch gegen die Stiko, der er die extremen Inzidenzen unter sehr jungen Menschen in die Schuhe schiebt. Junge Menschen, welche an Corona kaum bis gar nicht erkranken und inzwischen erwiesenermaßen nicht als Pandemietreiber in Frage kommen. Sonst würden nicht NACH den Ferien die positiven Tests in den Schulen ansteigen, sondern genau umgekehrt. Aber mit den ganzen unlogischen Fakten dieser Pandemie beschäftigt sich ein SPIEGEL-Kolumnist nicht. Das würde vermutlich ein Anheben des Bretts vorm eigenen Kopf verlangen, zu dem leider inzwischen die meisten Deutschen nicht mehr in der Lage sind.

Was Lobo ganz besonders gut beherrscht, ist die Kunst der Hypermetropie: Wenn man weite Dinge gut sehen kann, aber nahe nicht. Oder anders gesagt: Wenn die Dinge im eigenen Land nicht gut laufen, schaut man in andere Länder. Spanien attestiert er darum eine Impfquote von 90% (sie liegt bei 79%) und übersieht beim Lob für die iberische Halbinsel, dass die aktuell niedrigen Inzidenzen mit einer großen Durchseuchung in den Monaten davor bezahlt wurde. Gleiches gilt für Portugal, wo die Zahlen inzwischen wieder leicht zu steigen beginnen. Klar, Winter is coming, aber wir haben ja gelernt (Danke, Dr. Drosten!), dass die Jahreszeiten maximal 20% am R-Wert ausmachen. Der übrigens zum Zeitpunkt des Artikels bei 1,07 liegt und eigentlich nur noch zur Erwähnung kommt, wenn er besonders hoch steigt.

Den Höhepunkt einer Kolumne findet sich meist in der Schlusspointe und auch hier ist das der Fall: „Auf sie dürfen wir wütend sein. Vielleicht müssen wir sogar.“ ist eine geradezu erstklassig verpackte Aufforderung zur Gewalt an den Querdenkern und Impfgegnern, welchen es vor allem nach einem dürstet: Ehrlichkeit. Gleichheit. Keine Ausgrenzung. All jene Dinge, für die ein Sascha Lobo nicht steht.

Corona: Willkommen im weinerlichen Wellness-Widerstand – Kolumne von Sascha Lobo – DER SPIEGEL

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