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Darf man die heutige Situation mit dem Dritten Reich vergleichen?

Vergleiche der heutigen Situation mit dem Dritten Reich verbieten sich – natürlich auf Grund des Holocaust. Und wegen dem schrecklichen Weltkrieg, der Millionen von Leben gekostet hat. Warum gibt es diese Vergleiche aber trotzdem?

Um das zu verstehen, muss man einen großen, geistigen Schritt zurück machen, was uns Deutschen häufig besonders schwer fällt. Wenn wir von Hitlers Machtergreifung sprechen, haben wir sofort Bilder im Kopf, die uns seit Jahrzehnten in Fernsehen, Schule und anderen Medien präsentiert werden. Besonders die Gräueltaten der Deutschen damals, die durch nichts zu entschuldigen sind und unsere Politik bis heute beeinflussen, werden immer und immer wieder präsentiert. Alles mit dem Ziel: Nie wieder. Nie wieder Antisemitismus. Nie wieder die industrielle Massenvernichtung. Es darf nie wieder ein Krieg von deutschem Boden ausgehen.

Wenn sie nicht als antisemitisch bezeichnet werden wollen – was vergleichen die Querdenker dann?

Anscheinend geht es ihnen nämlich um eine ganz andere Thematik. Das Ermächtigungsgesetz zum Beispiel, häufig verglichen mit dem Infektionsschutzgesetz, hatte schließlich einen ganz besonderen Sinn und Zweck: Nämlich den kompletten Machterhalt und die sich zu diesem Zeitpunkt erst langsam anbahnenden Gräueltaten zu legitimieren und gesetzlich unangreifbar zu machen. Das, was am Ende heraus kam, war nur die berühmte Spitze des Eisberges, welche wir von Guido Knopp oder Hollywood präsentiert bekommen.

Was wir jedoch gerne verdrängen, obwohl wir es im Satz „Nie wieder“ ständig wiederholen, ist die Tatsache, dass ein gesamtes Volk komplett auf eine politische Linie gleichgeschaltet wurde. Sämtliche Medien, die nicht dem Narrativ der Regierung folgten, wurden verboten. Der Terror, der eine Sophie Scholl ihr Leben gekostet hat, begann aber erst später. Vorher stand vor allem das auf die Spur bringen, das „bist du nicht für mich, bist du gegen mich“.

Einen großen Anteil daran hatte auch das Radio. Dieses neue Medium, dessen damalige Neuheit vergleichbar mit dem heutigen Internet ist, war ein entscheidender Helfershelfer, den Göbbels mit dem „Volksempfänger“ in alle Häuser brachte. So konnten ungehindert die gewünschten Botschaften und Lügen in die Wohnstuben übertragen werden. Gepaart mit der gleichgeschalteten Presse und dem Verbot von Andersdenken (Bücherverbrennung) wurde einer ganzen Generation die Individualität ausgelöscht. Jedes verbrannte Buch stand dabei für eine Idee, einen Gedanken, welcher dem staatlichen Narrativ hätte gefährlich werden können.

„Wie konnte das nur passieren“, fragen wir uns heute. Wie konnten die Menschen damals nur so blind sein und diese Botschaften glauben? Ganz einfach: Weil sie staatlich legitimiert und in ständiger Wiederholung ausgestrahlt wurden. „Hinterfragen Sie nicht“ entwickelte sich zur – erfolgreichen – Staatsdoktrin. 100% der (publizierten) Wissenschaft war sich einig, dass dies der einzige Weg aus den Folgen des 1. Weltkrieges, der Wirtschaftskrise und der Spanischen Grippe sein würde: Eine starke Hand von oben, welche jeglichen Widerstand ausmerzt und damit Deutschland aus der größten Katastrophe nach dem Krieg führen würde. Der Weg war, kurz gesagt, alternativlos.

Was hätten Sie also damals gemacht, wenn Sie in der Situation gewesen wären, dass sämtliche Medien nur in eine Richtung berichten? Wenn Ihre Arbeitgeber der Meinung sind, dass man den staatlichen Forderungen bedingungslos Folge leisten sollte? Dass jeglicher Protest und etwas in Frage stellen dem Wohl des Volkes schadet und darum Andersdenker, also „Querdenker“, von der Gesellschaft geächtet werden müssen?

Neben den Morden war dies die schlimmste Tat der Nazis: Sie haben nicht nur die Juden ausgelöscht, sondern auch die Identität, die Freiheit eines gesamten Volkes. Welches nur allzu bereit war, diese Identität freiwillig abzugeben. Es geht bei diesen Vergleichen zu heute also im Gegenteil nicht darum, irgendwelche Taten Hitlers und Co. zu verharmlosen oder klein zu reden. Es geht um den entscheidenden Satz, den wir heute nur noch beiläufig von uns geben: Nie wieder.

Foto: Pixabay

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