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Demokratie ist nichts für Warmduscher

Oder: Warum Freiheit für jeden von uns ein echtes Stück Arbeit ist

Demokratie ist einfach, oder? Wir haben sie halt. Wir gehen wählen, ab und zu. Der Rest regelt sich schon, ich denk da nicht so drüber nach, hab auch echt was anderes zu tun. Unsere Verwaltung ist behäbig, aber zuverlässig. Es läuft doch.

Oder etwa nicht?

Unter denen, die im Westen der Republik geboren sind, gibt es kaum jemanden, der für seine Freiheit kämpfen musste. Seit wir denken können, war alles da. Schulen und Unis ohne Gebühren. Ein brauchbares Gesundheitssystem – wenn auch mit einer unsichtbaren Schranke zwischen Kassen- und Privatpatienten. Saubere, weitgehend intakte Straßen. Müllabfuhr. Regierungen, deren Skandale sich um Bonusmeilen drehten, nicht um Prostituierten-Partys auf Ibiza. Und ob Du links bist oder rechts, bürgerlich oder alternativ, religiös oder nicht – Du hast Deinesgleichen gefunden. Du konntest sagen, was Du wolltest, und man hielt Dich anschließend allenfalls für kauzig. Fühlte sich solide an. Und in bescheidenen Maße irgendwie auch frei.

Schau Dich jetzt mal an. Bist Du sicher, frei zu sein? Die Müllabfuhr kommt immer noch pünktlich. Aber Du sprichst schon lange nicht mehr aus, was Du denkst. Obwohl es gar nicht abwegig ist, was da so in Deinem Kopf vorgeht. Dass es doch vielleicht verrückt ist, jemanden 14 Tage einzusperren, nur weil er sich vielleicht angesteckt haben könnte mit einem Atemwegsvirus. Dass es möglicherweise übertrieben ist, Parkbänke mit Flatterbändern abzusperren und befreundete Grüppchen auf der Düsseldorfer Rheinpromenade mit Ordnungskräften zu trennen. Dass doch eigentlich Demonstrationsfreiheit herrscht, selbst wenn dabei die Regierung kritisiert werden soll. Dass es vermutlich Unfug ist, wenn jeder Geimpfte mit schwerem Husten ins Kino darf, ein gesunder Ungeimpfter aber nicht. Dass es schon ziemlich unwürdig ist, überhaupt Rechenschaft über Deinen Impf- und Gesundheitsstatus ablegen zu müssen, wenn Du einfach nur Dein Leben leben willst.

Freiheit. Kann es sein, dass Du Dich ein bisschen zu wenig um sie gekümmert hast? Dass Du Deine Demokratie für zu selbstverständlich genommen hast? Man hat Dich in den letzten anderthalb Jahren gezwungen, Deine Kinder einzusperren, sie später mit Maske in die Schule zu schicken. Man hat Dir verboten, Deine Großmutter zu besuchen, von der Du weißt, dass sie eher an Einsamkeit stirbt als an Lungenentzündung. Man gibt Dir alle zwei Wochen neue Regeln, so dass Du Verordnungstexte lesen musst, bevor Du einen Ausflug machst. Man nennt Dich Nazi, egal was Du wählst, sobald Du die Maßnahmen kritisierst. Man schikaniert Dich, wenn Du Zweifel am Nutzen einer schlecht geprüften Impfung hast, und betont, dies sei kein Zwang. Alles, um Dich zu schützen. Sagt man. Lass Dich nicht auf den Arm nehmen. Eine über siebzig Jahre alte Demokratie kann Ermüdungsrisse zeigen. Vertrau nicht darauf, dass das ja alles nur eine Phase ist. Vertrau nicht auf die Gerichte, die nach Jahren vielleicht ein paar Auswüchse zurückrufen. Demokratie wird von Demokraten gemacht. Also von Dir. Du nimmst Dir jede Woche Zeit für Sport? Nimm Dir auch Zeit für Deine Demokratie. Sage Deine Meinung. Stell Dich den Hygiene-Aposteln entgegen. Halte den Diskussionsraum offen. Bohre nach bei Deiner Gemeinde, bei der Schule Deiner Kinder, hab keine Angst, blöd angeschaut zu werden. Demonstriere. Schreibe Deinen Abgeordneten. Wenn Ungeimpfte nicht mehr ins Restaurant dürfen – lade sie zu Dir nach Hause ein. Schließ Dich mit anderen zusammen – z. B. bei der BASIS. Lass es nicht zu, wenn alle glauben sollen, es gebe nur die vernünftige Mehrheit, die jede Freiheitseinschränkung, jede Bevormundung schluckt – und einen isolierten, geistig verwirrten Rest.

Zum Schluss noch ein Zitat, von dem Du nie geraten hättest, dass es von Ronald Reagan stammt, lange vor seiner Regierungszeit:

„…Freiheit ist nie weiter als eine Generation entfernt davon, ausgelöscht zu werden. Wir haben sie unseren Kindern nicht bei der Geburt mitgegeben. Die einzige Chance, dass sie die Freiheit, die wir kannten, erben, ist, wenn wir für sie kämpfen, sie schützen, sie verteidigen. Und dann werden wir sie ihnen weitergeben und sie lehren, in ihrem Leben dasselbe zu tun. Wenn Sie und ich das nicht tun, könnte es sein, dass wir unsere alten Tage damit verbringen, unseren Kindern und Enkeln zu erzählen, wie es früher einmal war: in einem Amerika mit freien Menschen.“

Und Amerika lässt sich an dieser Stelle leicht durch andere Ländernamen ersetzen.

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